Vor 110 Jahren erschien „Unter Tieren“ von Manfred Kyber. Hierbei handelt es sich um eine Sammlung von Kurzgeschichten, in welchen wir so liebenswerten Gestalten wie Jakob Krakel Kakel, Hieronymus Kragenpeter und Balduin Brummsel begegnen. Mein Humor wurde genau getroffen und ich konnte mir beim Lesen den ein oder anderen Schmunzler nicht verkneifen. Obwohl die Geschichten schon so alt sind, finde ich dass sie auch noch in unsere heutige Zeit passen. Kyber hält uns mit seinen Tiergeschichten einen Spiegel vor, indem er seinen Tieren menschliche Charaktere gibt. In seinen Erzählungen steckt so viel Witz und Scharfsinn, aber auch irgendwo dezent eine tieferer Bedeutung. Somit haben also nicht nur die Kleinen ihre Freude damit.
Ich war ganz schön erstaunt, als ich während meiner Recherche auf kein einziges illustriertes Buch gestoßen bin. Wieso ist denn noch niemand auf die Idee gekommen, diese wundervollen Geschichten zu illustrieren? Diese Geschichten wollen erzählt und gehört werden. Also fange ich nun damit an und lasse die Tiergeschichten neu aufleben. Ich präsentiere: Das Faultier.
Nachdem klar war, dass ich an einem illustrierten Kinderbuch arbeiten möchte, musste erst einmal eine Geschichte her. Denn: Was will ich denn da eigentlich illustrieren? Abhilfe geschaffen hat das Projekt Gutenberg. Das ist die weltweit größte deutschsprachige Volltext-Literatursammlung – kostenlos und für alle. Ist das nicht toll? Unter www.projekt-gutenberg.org findet man allerlei Texte und Bilder die allesamt frei vom Urheberrecht sind, da die Autor*innen, Übersetzer*innen und Illustrator*innen vor über 70 Jahren gestorben sind.
Dort bin ich auf besagten Manfred Kyber aufmerksam geworden. Ich kannte den Autor vorher nicht – leider. Denn seine Tiergeschichten sind wundervoll. Sein Buch „Unter Tieren“ erschien 1912, „Neue Tiergeschichten“ erschien dann 1926.
Ich konnte mich kaum entscheiden mit welcher der Kurzgeschichten ich anfangen möchte. Am besten gefallen hat mir Der K. d. R. (Kongress der Regenwürmer), Die fünfte, sogenannte feuchte Sinfonie und Das Faultier. Für letztere Geschichte habe ich mich am Ende entschieden. Beim Lesen hatte ich direkt Bilder vor meinem inneren Auge und habe die beiden Charaktere klar und deutlich vor mir gesehen. Möglicherweise hat meine Vorliebe für Faultiere etwas damit zu tun. Ich finde Faultiere einfach unfassbar süß. Damit bin ich nicht alleine. Wenn man auf Amazon den Suchbegriff „Faultier“ eingibt, erhält man mehr als 50.000 Ergebnisse.
Vor ungefähr 5 Jahren ist ein regelrechter Hype um das Faultiert entstanden, und seitdem ist es allgegenwärtig. „Wieso sind Faultiere so beliebt?“ könnte man sich nun fragen.
Im Buch „Faultiere: Ein Portrait“ von Tobias Keiling und Heidi Liedke, welches im Oktober 2021 erschienen ist, wird das Faultiert als der Inbegriff der Kapitalismuskritik benannt. Das Faultier ist Sinnbild für die totale Entschleunigung: zeitlupenartige Bewegungen, ausgiebige Ruhezeiten, das zufriedene Dauergrinsen. Es kennt die Hektik des Alltags schlicht weg nicht. Faultiere leben das Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft.“ – und das macht sie so beliebt. Denn im Grunde genommen sehnen wir uns alle danach einen Gang herunterzuschalten. Kurz durchzuatmen, frische Energie zu tanken und einfach mal nichts tun zu müssen. Da wir in einer hektischen Zeit leben, bestimmt von Leistungsdruck und einem „Immer-lauter-immer-besser-immer-schneller“, müssen wir erst wieder lernen, dass Nichtstun und Ruhen auch in Ordnung sind. Das Faultier erinnert uns daran.
Nun aber zurück zur Kurzgeschichte von Manfred Kyber.
Im Buch geht es um ein Pinseläffchen, dass mit der Hilfe eines Ratgeber-Buches energischer werden möchte. Während der Lektüre trifft es auf ein Faultier. Dieses seufzt vor sich hin und ist die Ruhe selbst. Das Äffchen ist der Ansicht, dass das Fautier auch energischer werden sollte und liest ihm daher aus dem Buch vor. Das Faultier hatte jedoch von Anfang an gar kein Interesse daran, energischer zu werden. Als das Äffchen feststellt, dass das Faultier einfach eingeschlafen ist, während es ihm aus dem Buch vorgelesen hat, wird es so energisch, dass es mit dem Buch nach dem Faultier wirft.
Meine Bachelorarbeit soll nicht nur mein Design-Können zeigen, sondern auch ein Stück weit meine Persönlichkeit wiederspiegeln. Ich will mit meiner Arbeit etwas Schönes in die Welt bringen, etwas Schönes erschaffen. Dass das Schöne wichtig ist, hat Platon 400 v. Chr. schon gesagt. Laut ihm, färbt die Schönheit der Dinge die uns umgeben, auf uns ab. Es gibt so viel Hässlichkeit auf der Welt, da ist es wichtig, auch den schönen Dingen Raum zu geben. Wenn ich mit meinen Illustrationen, dem ein oder der anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern, ein Schmunzeln entlocken oder ein wohliges Gefühl vermitteln kann, habe ich mein Ziel erreicht.
Back to Top